Hallo Mama, bitte flipp nicht aus, aber ich habe das Denguefieber und muss ins Krankenhaus.
Endlose Traumstrände, abenteuerliche Dschungel-Expeditionen und faszinierende Tempelanlagen. Allein in Südostasien wurden letztes Jahr über 315 Millionen Ankünfte internationaler Tourist*innen verzeichnet. Sophie war eine davon. Als sie im Herbst 2024 mit ihrer besten Freundin nach Bali fliegt, träumt sie von einer Auszeit unter Palmen. Doch dann infiziert sie sich bereits in der ersten Woche mit dem Denguevirus und kämpft ums Überleben. Wie die ersten Symptome aussahen und wann sie realisiert hat, dass sie sterben könnte, hat sie Diana im Interview erzählt.

Triggerwarnung:
Krankheitserfahrungen, Krankenhausaufenthalt.

Interview: Diana Ringelsiep
Erste Anzeichen und Symptome von Dengue Fieber
Hallo Sophie! Danke erst mal, dass du für unser Gespräch extra aus Bayern angereist bist.
Hallo Diana! Sehr gerne, ich freu mich, dass ich hier sein darf.

Auf deiner letzten Reise ist dir ja etwas passiert, was wahrscheinlich nicht auf deiner Bucket-List stand: Du bist nämlich mit deiner besten Freundin nach Bali geflogen und schon nach wenigen Tagen am Denguefieber erkrankt. Aber gehen wir noch einen Schritt zurück: Was war der Anlass für diese Reise und wie sah dein Leben zu diesem Zeitpunkt aus?
Wir sind zuvor beide 30 geworden und hatten uns vorgenommen, eine gemeinsame Backpacking-Reise zu machen, weil wir das in unseren Zwanzigern nie hinbekommen haben. Wir wollten einfach mal fünf Wochen zusammen unterwegs sein – nur wir Mädels. Nach einem Jahr Planung ging es im September 2024 dann schließlich nach Bali. Ich bin Yoga-Lehrerin und recht spirituell, deshalb habe ich mich sehr darauf gefreut, die Kultur kennenzulernen und in die Spiritualität vor Ort einzutauchen. Aber leider sind wir nicht so weit gekommen. Wir haben nur zwei Orte besucht, dann bin ich schon ins Krankenhaus gekommen.
Dengue Impfung & Prävention
- Impfstoff Qdenga® seit 2023 in Deutschland
- Empfehlung v. a. für Langzeitaufenthalte
- Beratung: Tropeninstitut oder Reiseärzt*innen
Bei Reisen in die Tropen gibt’s ja einiges zu beachten. Habt ihr vorher eine Impfberatung wahrgenommen? Und wenn ja, was hat man euch dort vorab zum Thema Denguefieber erzählt?
Wir haben uns unabhängig voneinander beraten lassen, weil wir an unterschiedlichen Orten wohnen. Mir wurde gesagt, dass ich mich gegen Typhus, Tollwut und japanische Enzephalitis impfen lassen sollte. Gegen Denguefieber könne man sich erst nach einer Erstinfektion impfen lassen, hieß es bei der Impfberatung. Meiner Freundin wurde hingegen gesagt: »Naja, normalerweise impft man zwar erst nach der ersten Infektion, aber ich würde es vorsichtshalber mal mitmachen.« Sie hat die Impfung gegen das Denguefieber im Gegensatz zu mir bekommen.
Spannend, ich bin nämlich letztes Jahr in Thailand gewesen und mir wurde mit Verweis auf die STIKO-Empfehlung ebenfalls von einer Impfung abgeraten, da die Impfung – ohne vorangegangene Erstinfektion – sogar einen schweren Verlauf begünstigen könne.
Im Krankenhaus auf Bali wurde ich später gefragt, warum ich nicht geimpft sei. Ich erklärte es ihnen und dort hatte man für die deutsche Empfehlung überhaupt kein Verständnis.
Dann erzähl doch erst mal von euren ersten Tagen auf der Insel. Wie war die Stimmung und was habt ihr gemacht?
Wir hatten vorab nur die ersten zwei Hotels gebucht, danach wollten wir uns treiben lassen und frei reisen. Die besagten Hotels waren in Uluwatu, das ist ein Surfer-Hotspot im Süden der Insel. Dort haben wir einfach in den Tag hineingelebt. Wir haben Yoga gemacht, sind zur Massage gegangen und haben uns die Nägel machen lassen. Also alles, wofür man zuhause keine Zeit hat. Ich habe diese ersten Tage sehr genossen. Doch nach der ersten Woche hatte ich dann schon diesen typischen Bali-Belly.
Also Magen-Darm…
Genau, ich lag dann zwei Tage flach und als es mir wieder besser ging, sind wir weiter nach Ubud gereist. Das ist eine sehr spirituelle Stadt, in der ich morgens, mittags und abends zum Yoga gegangen und voll auf meine Kosten gekommen bin. Dort haben wir dann auch eine Waterfall-Clarification gebucht. Das war der Tag, an dem alles anfing.
Wie sahen die ersten Symptome aus?
Das war total absurd. Ich war gerade unter dem ersten Wasserfall hindurchgegangen, als ich auf einmal Schmerzen im unteren Rücken bekam. Das war schon irgendwie komisch, aber ich habe die Schmerzen zunächst auf das kalte Wasser geschoben. Ich dachte: »Wer weiß, vielleicht habe ich mir auch einen Nerv eingeklemmt.« Aber dann wurde mir super kalt und in der folgenden Stunde sind auch die Schmerzen immer intensiver geworden. Rückblickend waren das die ersten Symptome: das Frieren und diese Wahnsinnsgliederschmerzen. Dass ich zu dem Zeitpunkt bereits fieberte, wusste ich damals noch nicht.
Typische Symptome bei Dengue Fieber
- Hohes Fieber
- Starke Kopf- und Gliederschmerzen
- Hautausschlag
- Übelkeit, Erbrechen
- Starke Erschöpfung
Wann kam der Moment, in dem du angefangen hast, dir Sorgen zu machen?
Das war, als wir wieder im Hotel angekommen sind und meine Freundin mir ihr Fieberthermometer gegeben hat. Ich hatte zu dem Zeitpunkt eine Körpertemperatur von 39,5 °C. Da habe ich mich schon gefragt, was mein Körper da gerade verarbeitet. Aber ich habe mich dann einfach hingelegt und dachte, mit Ausruhen wird das schon wieder. Als meine Freundin dann zwei Stunden später wiederkam, hatte ich bereits über 40 °C Fieber. Das war der Moment, in dem ich anfing, mir Sorgen zu machen. Ich habe dann zwei Ibuprofen genommen, um das Fieber zu senken, weil ich verhindern wollte, dass es noch weiter steigt. Danach ging die Temperatur auch etwas runter, aber das hielt leider nicht lange an – dann stieg das Fieber wieder an.
Schwere Symptome und erste medizinische Hilfe bei Dengue Fieber
Welche Symptome hattest du sonst noch?
Ich hatte extreme Rückenschmerzen, Gliederschmerzen und Kopfschmerzen – als würde mein Schädel rundherum aufplatzen. Und eben das hohe Fieber. Außerdem war ich super durstig und habe extrem viel getrunken. Allein an dem Abend habe ich locker drei bis vier Liter Wasser getrunken. Am nächsten Morgen ging es genauso weiter. Doch ich bin gegen das Austrocknen einfach nicht angekommen. Innerhalb der ersten 24 Stunden habe ich bestimmt acht Liter getrunken und war noch immer durstig. Ich dachte, ich trockne aus.
Im Ausland weiß man ja im Notfall auch oft gar nicht, an wen man sich wenden kann. Wie ist der erste Arztkontakt zustande gekommen?
Ich war tatsächlich zu fast gar nichts mehr in der Lage und sehr froh, dass meine Freundin dabei war. Die hat dann über den Host unserer Ferienwohnung den Kontakt zu einem befreundeten Arzt hergestellt. Und der ist zum Glück zu mir aufs Zimmer gekommen und hat sofort erkannt, dass ich extrem dehydriert war. Man konnte zum Beispiel keine meiner Adern mehr sehen, was sonst definitiv nicht der Fall ist. Ich habe ihn dann gebeten, mir Blut abzunehmen, weil ich unbedingt Malaria ausschließen wollte. An Dengue habe ich überhaupt nicht gedacht. Er hat mir dann auch noch eine Infusion gelegt, was schon relativ schwierig war und dann ist er wieder gegangen. Nun war es aber zum Glück so, dass die Blutergebnisse bereits zwei Stunden später vorlagen. Da hat er mich angerufen und gesagt, dass sich seine schlimmste Befürchtung leider bestätigt hat und ich eine schwere Form von Denguefieber habe. Ich sollte daraufhin mit dem Krankenwagen abgeholt werden, doch aufgrund der vielen kleinen Kanäle, die durch Ubud fließen, kam dieser gar nicht bis zu unserer Unterkunft durch. Das heißt, ich musste dann – mit meinen sieben Sachen geschultert – selbst zum Krankenwagen laufen. Als ich schließlich dort ankam, war ich am Ende meiner Kräfte und dann ging die Reise durch den krassen Straßenverkehr erst los.
Im Ausland ist der Schritt, die Notaufnahme aufzusuchen, oft besonders groß. Daher war es ja sicher auch nicht leicht, deinen Eltern und deinem Partner zuhause davon zu erzählen, oder? Wie bist du damit umgegangen, hast du ihnen sofort Bescheid gegeben?
Ich hätte es gerne nicht getan. Mit meinem Mann hatte ich bereits telefoniert, als das mit dem Fieber losging. Als er sich nach 24 Stunden dann erkundigte, wie es mir geht, habe ich gesagt: »Schlechte Nachrichten, es ist Dengue-Fieber.« Allerdings habe ich ihn gebeten, dass wir das erst mal für uns behalten, damit meine Mama nicht ausflippt. Die hatte nämlich schon zum Zeitpunkt der Buchung eine riesige Angst vor tropischen Krankheiten und hätte mich am liebsten zuhause behalten, damit ich mir bloß kein Denguefieber einfange. Tja, und dann ist es passiert und ich dachte ich mir: »Shit, das kann ich ihr unmöglich sagen.« Aber mein Mann meinte dann, dass ich das nicht machen kann, also habe ich ihr eine WhatsApp-Nachricht geschrieben, die in etwa so lautete: »Hallo Mama, bitte flipp dich aus, aber ich habe das Denguefieber und muss ins Krankenhaus.« Das war tatsächlich die letzte Nachricht, die ich geschrieben habe, weil mir bereits kurz darauf sogar zum Tippen die Energie fehlte. Von da an lief die Kommunikation nur noch über meinen Mann und meine beste Freundin.
Als der Verdacht „Dengue-Schock-Syndrom“ im Raum stand und ich auf die Intensivstation verlegt wurde, dachte ich: Das war’s jetzt.«
Behandlung im Krankenhaus und warum Dengue »Knochenbrecherkrankheit« heißt
Welche Behandlungsmaßnahmen wurden dann ergriffen? Und wie ging es dir zu dem Zeitpunkt?
Als ich in der Notaufnahme angekommen bin, ging es mir bereits sehr schlecht. Ich war extrem dehydriert, konnte nicht mehr laufen und hatte superstarke Schmerzen im ganzen Körper. Ich habe dann Infusionen und Schmerzmittel bekommen. Leider hat sich dann auch noch herausgestellt, dass ich mir zusätzlich eine Salmonellenvergiftung eingefangen hatte, weshalb ich auch ein Antibiotikum bekommen musste.
Da hast du aber ganz laut hier geschrien. Ich habe im Rahmen meiner Vorbereitung übrigens gelesen, dass das Denguefieber auch die »Knochenbrecherkrankheit« genannt wird. Kannst du das bestätigen?
Ja, komplett. Ich kann gar nicht beschreiben, wie stark diese Schmerzen waren. Vielleicht kurz zum Vergleich: Ich war vor kurzem noch mal krank und hatte auch da wieder starkes Fieber, über 40 °C, und diesen typischen Schüttelfrost, wie man das von grippalen Infekten kennt. Ich lag zuhause im Bett und obwohl mir alles wehtat und ich mich richtig schlecht fühlte, dachte ich mir: »Krass, das ist bloß ein Prozent der Gliederschmerzen, die ich auf Bali hatte.«
Jetzt hast du gerade die Salmonellenvergiftung erwähnt, die du dir parallel zugezogen hattest. Das sind Bakterien, mit denen man über eine Schmierinfektion oder kontaminierte Lebensmittel in Kontakt kommt und die zu schweren Durchfällen und schwallartigem Erbrechen führen. Allein das schwächt den Körper ja enorm. Wie hat sich das auf deine Verfassung ausgewirkt?
Davon wusste ich bei meiner Einlieferung ja noch nichts. Ich dachte damals wirklich, dass ich maximal zwei Tage dortbleiben muss und die Reise dann weitergehen kann. Tatsächlich bin ich Donnerstag eingeliefert worden und am Freitag habe ich – trotz der Schmerzmittel und Infusionen – dann schlagartig abgebaut. Von da an ging es mir täglich schlechter, bis ich Sonntag wirklich am Ende meiner Kräfte war. Da wurde mir klar: Wenn jetzt noch eine einzige Sache dazukommt, schafft mein Körper das nicht mehr. Ich hatte ja nach wie vor diese schlimmen Kopf- und Gliederschmerzen und inzwischen waren die Salmonellen komplett ausgebrochen und das Antibiotikum schlug nicht an. Ich musste mich ständig übergeben und konnte nichts bei mir behalten. Ich konnte nicht mehr.
Salmonelleninfektion und Verdacht auf Dengue-Schock-Syndrom
Das klingt alles sehr furchtbar. Aber die schlimmste Phase stand dir zu dem Zeitpunkt noch bevor. Deine Blutwerte haben sich nämlich drastisch verschlechtert und plötzlich stand der Verdacht »Dengue-Schock-Syndrom« im Raum. Was hat es damit auf sich?
Das »Dengue-Schock-Syndrom« ist der schlimmstmögliche Verlauf. Zum Glück wusste ich damals noch nicht viel darüber, deshalb habe ich mir nicht so viele Gedanken gemacht. Aber heute weiß ich, dass es dabei zu inneren Blutungen, Organversagen und sogar zum Herzstillstand kommen kann. Ich weiß noch, dass meine beste Freundin – die im Gegensatz zu mir die Zeit hatte, sich einzulesen – noch am Abend vorher zu mir gesagt hatte: »Zum Glück hast du nicht das ‚Dengue-Schock-Syndrom‘! Dann wär’s richtig schlimm.« Und dann haben sich meine Blutwerte schlagartig verschlechtert. Mein Thrombozytwert war im Keller, gleichzeitig ist mein Hämatokritwert, der die Zähflüssigkeit des Blutes anzeigt, immer weiter angestiegen. Das hat dafür gesorgt, dass sich rund um meine Lunge eine Flüssigkeit gebildet hat und ich kaum noch atmen konnte. Ich lag im Bett und konnte mich nicht mehr auf die Seite drehen, weil diese Einlagerungen so stark auf meine Atmung gedrückt haben. Ich war zunehmend gestresst, weil ich nur noch ganz flach atmen konnte und dann hieß es plötzlich: »Wir müssen Sie auf die Intensivstation verlegen, weil Ihre Blutwerte sich in einem sehr kritischen Bereich befinden.«
Hast du zu diesem Zeitpunkt den Ernst der Lage realisiert oder warst du weggetreten?
Als sie mir das gesagt haben, ging es mir körperlich gerade etwas besser. Der schlimmste Tag der Salmonellenvergiftung lag hinter mir. Ich hatte in der Nacht gut geschlafen und bin meine letzten Energiereserven angegangen. Ich dachte wirklich, jetzt geht’s bergauf. Und dann habe ich die Info bekommen, dass eben gar nichts in Ordnung ist und dass ich auf die Intensivstation verlegt werden muss. Das war der Mental-Breakdown-Moment, der mir den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Ich weiß noch, dass ich dachte: »Okay, das war’s jetzt. Ich werde dieses Krankenhaus nicht mehr verlassen.«
Du warst in akuter Lebensgefahr, deshalb würde ich gerne noch mal auf deine Eltern und deinen Mann zurückkommen. War deine Familie über deinen Zustand informiert?
Ja, meine Freundin hat die Informationen, wenn auch etwas gefiltert, immer weitergegeben. Sie wollte ihnen keine heile Welt vorspielen. An dem Tag, an dem es mir körperlich so schlecht ging und ich auch psychisch rapide abgebaut habe, hat sie schließlich meinen Mann angerufen und gesagt: »Wenn das morgen nicht besser wird, musst du vorbeikommen. Ich kann das alleine nicht mehr stemmen.«
Wie sah das denn eigentlich mit diesen typischen Reiseversicherungen aus, die es für solche Extremfälle gibt. Hätte in deinem Fall nicht ein Rücktransport nach Deutschland Sinn gemacht?
Ich hatte all diese Versicherungen, aber mein Zustand war erst zu kritisch, um mich nach Deutschland zurückzubringen und als schließlich das Schlimmste überstanden war, und ich den vorzeitigen Rücktransport gerne in Anspruch genommen hätte, hieß es, jetzt könne ich ja normal zurückfliegen. Wobei ich sagen muss, dass das so nicht ganz richtig war, denn ich hatte ja noch immer diesen Druck auf der Lunge und im Liegen ging es mir sehr viel besser. Deshalb habe ich am Ende selbst für ein Business-Class-Upgrade bezahlt, weil ich nicht die ganze Zeit hätte sitzen können.
Nochmal zurück zu deiner Freundin. Hat sie dir später mal erzählt, wie sie das damals alles erlebt hat?
Für sie war das natürlich auch ein sehr einschneidendes und schlimmes Erlebnis. Wir haben eine sehr enge Freundschaft und sie hat später mal gesagt: »Weißt du, ich saß dort alleine im Hotel und die einzige Person, die ich anrufen wollte, um mir alles von der Seele zu reden, warst du – aber du lagst halt im Krankenhaus.« Sie war völlig überfordert mit der Situation und konnte ihre Zeit auf Bali natürlich auch nicht mehr genießen.
Du hast gerade erwähnt, dass irgendwann der Moment kam, ab dem es wieder bergauf ging. Welche Erinnerungen hast du an diesen Wendepunkt?
Nachdem mir dann auch noch ein Mann den letzten Nerv geraubt hat, der einfach 24-7 durchgeschnarcht hat, ist mein Thrombozytwert endlich wieder angestiegen und die Gefahr des »Dengue-Schock-Syndroms« war gebannt. Ich bin dann wieder auf die normale Station verlegt worden und dort ging es mir innerhalb von drei Tagen stetig besser, sodass ich schließlich entlassen werden konnte. Aber an eine Weiterreise war nicht mehr zu denken, wir haben den Urlaub dann abgebrochen.
Nachbehandlung und Spätfolgen von Dengue Fieber
Wie sah die Nachbehandlung zuhause aus?
Die Nachbehandlungsphase war für mich tatsächlich sehr schwierig. Ich hatte fünf Kilo abgenommen und habe mich sehr schwach gefühlt. Doch in meiner Hausarztpraxis war man komplett überfordert. Die wussten überhaupt nicht, was sie mit mir machen sollten. Man hat dann geschaut, ob meine Blutwerte wieder in Ordnung sind und mich einmal abgehorcht – das war’s. Die gute Nachricht sei, dann könne ich mich ja jetzt gegen Denguefieber impfen lassen, meinten sie. Das war zu dem Zeitpunkt so ziemlich das Letzte, was ich brauchte. Etwa zwei Monate später setzten dann die eigentlichen nachträglichen Symptome ein. Zu Weihnachten ging es los, dass mir plötzlich die Haare ausgefallen sind. Wenn ich mir mit der Hand durch die Haare gefahren bin, sind sie wie Schnee heruntergerieselt. Dreißig, vierzig Haare, jedes Mal. Das war dann auch mental noch mal krass für mich, weil ich mich äußerlich verändert habe. Meine Haut ist schlechter geworden und mein Immunsystem ist komplett runtergefahren. Selbst jetzt, ein halbes Jahr später, bin ich noch immer in Behandlung, weil ich mir damals wohl eine Hefe-Pilz-Infektion im Magen-Darm-Trakt zugezogen habe. Das habe ich daran gemerkt, dass ich mich ständig aufgepumpt gefühlt habe. Durch die Luft im Bauch konnte ich wieder nur schwer atmen, da alles auf Herz und Lunge gedrückt hat. Inzwischen wird es langsam besser. In den letzten drei Monaten habe ich daher stark auf meine Ernährung geachtet, das heißt, ich durfte keinen Zucker und keine Kohlenhydrate essen, um das wieder loszuwerden. Außerdem habe ich eine Darmsanierung gemacht.
Du hast wirklich einiges durchgemacht. Wie hat sich diese Erfahrung auf deine Reiselust ausgewirkt?
Ich möchte die Reise auf jeden Fall irgendwann nachholen. Vor allem mit Ubud, der Stadt, in der ich krank wurde, bin ich noch nicht fertig. Ich habe die Zeit dort so genossen, bevor das alles losging, deswegen möchte ich unbedingt noch mal zurück. Dieser Wunsch hat sich Gott sei Dank sehr schnell wieder eingestellt und meine anfängliche Angst vor Südostasien und tropischen Krankheiten ist wieder verschwunden. Als ich dort weggeflogen bin, habe ich gesagt: »Das war’s. Ganz Asien wird mich nie wieder sehen.« Aber das war eine Kurzschlussreaktion, mir ist natürlich klar, dass man nicht nur in Asien krank werden kann und ich hätte tatsächlich schon wieder Lust.
Würdest du beim nächsten Mal irgendwas anders machen?
Ich glaube, dass ich künftig bewusster reisen werde. Ich habe mir vorgenommen, mich vorher noch besser über meine Reiseziele informieren, insbesondere, was die Impfungen betrifft – und ich werde mich nicht mehr in der Hausarztpraxis abspeisen lassen, sondern direkt beim Tropeninstitut anrufen. Die kennen sich einfach besser aus. Außerdem würde ich vor, während und nach dem Urlaub eine Darmsanierung machen, damit mir sowas wie mit diese Hefepilzinfektion kein zweites Mal passiert.
Hast du sonst noch irgendwelche Tipps, worauf Backpacker*innen achten sollten?
Nehmt ein Fieberthermometer mit. Für mich war das der Indikator, um überhaupt zu verstehen, wie schlecht es mir geht. Durch regelmäßiges Fiebermessen verpasst man zumindest nicht den Punkt, an dem es gefährlich wird.
Und natürlich auch den Mückenschutz nicht vergessen. Denguefieber wird, wie viele andere Tropenerkrankungen, durch Moskitos übertragen. Deshalb macht es Sinn, sich Schutzsprays für Haut und Kleidung zu besorgen und immer unter einem Netz zu schlafen.
Richtig.
Liebe Sophie, vielen Dank, dass du diese krasse Geschichte mit mir geteilt hast. Ich bin sehr erleichtert, dass es dir wieder gut geht und dass du deine Reiselust zurückgewonnen hast. Ich wünsche dir und deiner Freundin eine fantastische Reise, wenn es zurück nach Ubud geht.
Dankeschön!