FURCHTLOS. INKLUSIV. ECHT.

Mann in einem gestreiften Pullover, sitzt nachdenklich vor einem blauen Hintergrund in Form einer Sonne.

HODENKREBS

Hodenkrebs mit 24: Vorsorge kann Leben retten

DAS IST JA KEIN GEHEIMNIS: EIN BESUCH BEIM UROLOGEN IST DEN MEISTEN JUNGEN MÄNNERN UNANGENEHM.

Zwei Tage vor seinem 24. Geburtstag erhält Yannick Böhling die Diagnose Hodenkrebs. Er entscheidet sich dafür, den Hoden entfernen zu lassen. Zwei Jahre später ist der Krebs zurück und er verliert auch den zweiten. Im Interview spricht der inzwischen 26-jährige Sport- und Fitness-Coach offen über seine Sorgen vor – und sein Leben nach den Operationen. Tabuthemen gibt es für ihn nicht. Ein Gespräch über Ängste, Sex und Testosteron.

Interview: Diana Ringelsiep

Hodenkrebs erkennen: Von ersten Symptomen zur Diagnose

Fangen wir im Jahr 2020 an – dem Jahr vor deiner ersten Krebsdiagnose. Wie sah dein Leben zu dem Zeitpunkt aus?

Ich war damals 23 Jahre alt und hatte gerade mein duales Studium beendet. Eigentlich hatte ich geplant, meinen Job im Fitnessstudio noch ein Jahr beizubehalten und mich nebenbei selbstständig zu machen. Aber Corona war in vollem Gange und die Studios blieben zu, weshalb ich von meinem ursprünglichen Plan abrücken musste. Ich habe mir aber keinen Stress gemacht und den Sprung in die Selbstständigkeit direkt gewagt. Das lief auch überraschend gut, weil ich mich schnell auf pandemiegerechte Home-Workouts und sowas spezialisiert habe. Das wurde gut angenommen und so habe ich meinen beruflichen Weg schnell gefunden. Hinzu kam, dass ich in dem Jahr auch in meine erste eigene Wohnung gezogen bin und meine Freundin kennengelernt habe. Alles in allem war das ein sehr gutes Leben damals.

Im Februar 2021 hast du dann zwei Tage vor deinem 24. Geburtstag gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Was ist dir an dem Tag aufgefallen?

Ich war duschen und beim Einseifen habe ich plötzlich eine kleine Verhärtung an meinem Hoden ertastet. Sie war wirklich winzig, sodass ich erst dachte, dass es sich um einen Pickel oder ein eingewachsenes Haar oder so etwas handeln könnte. Aber als es in den nächsten Tagen nicht verschwand, fing ich an, mir Sorgen zu machen – zumal diese kleine „Kugel“ ja von außen nicht zu erkennen, sondern in mir drin war. Also habe ich meine Freundin gebeten, mich abzutasten und sie riet mir, die Verhärtung sicherheitshalber abchecken zu lassen. Natürlich haben wir auch gegoogelt und schnell herausgefunden, dass es drei Ursachen geben kann: Entweder handelt es sich in solchen Fällen um einen stressbedingten Knoten, um eine harmlose Zyste oder um einen Tumor. Da ich keinen Stress hatte und einen Tumor für unwahrscheinlich hielt, bin ich zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass es sich um eine Zyste handelt. Das heißt, ich habe dann einfach einen Termin beim Urologen gemacht und erst mal meinen Geburtstag gefeiert.

Frühe Anzeichen von Hodenkrebs erkennen
Diese Symptome sollten Sie beim Urologen abklären lassen:

  • Schmerzlose Verhärtungen oder Knoten im Hoden
  • Schwellungen oder Vergrößerungen eines Hodens
  • Schweregefühl oder dumpfe Schmerzen im Hodensack
  • Spannungsgefühl in der Leistengegend
  • Wassereinlagerungen im Hodensack

Wichtig: Monatliche Selbstuntersuchung wird empfohlen. Am besten nach dem Duschen, wenn die Haut warm und entspannt ist. Auch wenn diese Symptome häufig harmlos sind: Lieber einmal zu viel als zu wenig zum Arzt gehen.

Hattest du denn bereits einen Urologen, den du beispielsweise von Vorsorgeuntersuchungen kanntest, oder musstest du dir erst einen suchen?

Ich bin vorher schon mal wegen einer Kleinigkeit in der Praxis gewesen. Der erste Besuch, samt mulmigem Gefühl, lag also schon hinter mir. Das ist ja kein Geheimnis: Ein Besuch beim Urologen ist den meisten jungen Männern unangenehm. Über das Thema wird ja auch kaum gesprochen. Und im Gegensatz zu jungen Frauen, die allein aus Verhütungsgründen oft schon als Teenies erstmals gynäkologisch untersucht werden, können sich Typen vor ihren Vorsorgeuntersuchungen einfach leichter drücken. Rückblickend finde ich es nahezu verrückt, dass damals auch die ersten prominenten Fußballer Hodenkrebs bekamen und öffentlich darüber sprachen. Ich erinnere mich noch, dass ich damals immer wieder hörte: „Oh krass, so ein junger Profisportler kann Krebs bekommen? Ich dachte, Krebs kriegt man erst, wenn man älter ist.“ Dabei ist das ja kompletter Quatsch, denn bei Hodenkrebs ist es genau andersherum – es sind vor allem junge Männer, die daran erkranken.

Ach du Scheiße! Dann habe ich nur noch einen Hoden. Wie soll das denn aussehen?

Hodenkrebs Behandlung: Operation und Heilungsprozess

Wie ist die Untersuchung abgelaufen und wie viel Zeit verging bis zur Diagnose?

Ich habe dem Arzt im Beratungsgespräch von der kleinen Schwellung erzählt, im Anschluss musste ich mich freimachen und er hat mich abgetastet. Im ersten Moment fühlte es sich etwas seltsam an, vor einem fremden Mann die Hosen runterzulassen. Aber so funktioniert das nun mal, das ist sein Job. Er hat dann auch etwas ertastet und direkt im Anschluss einen Ultraschall gemacht. Da haben wir dann einen schwarzen größeren Punkt auf dem Bildschirm gesehen. Aufgrund der Farbe und der Dichte war schnell klar, dass es sich um einen Tumor handeln muss – das hat er mir dann auch direkt ins Gesicht gesagt.

Uff. Wie hast du reagiert?

In dem Moment wusste ich nicht, was das für mich bedeutet. Ich glaube, ich war mehr oder weniger gefasst und habe geantwortet: „Alles klar. Und was heißt das jetzt für mich? Was muss jetzt gemacht werden?“ Plötzlich waren da tausend Fragen in meinem Kopf. Zurück im Sprechzimmer hat er mir dann erklärt, wie es weitergeht und dann ging alles ganz schnell. Vier Tage später wurde ich bereits operiert.

Bevor wir zu der Operation kommen, lass uns bitte noch kurz am Tag der Diagnose bleiben. Wem hast du davon erzählt?

Ich bin total schockiert aus der Praxis raus und habe direkt meine Freundin angerufen. Das war eine seltsame Situation. Wir waren erst seit zwei Monaten zusammen und niemand wusste, wie es weitergeht. Denn nun standen erst mal weitere Untersuchungen an, um herauszufinden, ob der Tumor bereits gestreut hatte. Dementsprechend wusste ich nicht, was auf mich zukommt und wie lange ich ausfallen werde. Ich hatte mich in dem Arztgespräch jedoch bereits dazu entschieden, den Hoden komplett entfernen zu lassen, da bei einer bloßen Entfernung des Tumors immer ein Restrisiko bleibt, dass der Krebs wiederkommt. Ich weiß noch, dass ich damals dachte: „Tja, dann funktioniert halt alles nur noch zur Hälfte.“ Diese Angst wurde mir aber schnell wieder genommen, weil es tatsächlich so ist, dass der noch vorhandene Hoden, die komplette Arbeit übernehmen kann und deshalb in der Regel alles ganz normal weiterläuft. Eine kleine Narbe in der Leistengegend ist alles, was nach einer solchen OP zurückbleibt. Daher konnten mir bereits direkt im Vorgespräch viele Ängste genommen werden. Aber eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Auswirkungen blieb. Ich fragte mich zum Beispiel, wie schnell ich wieder zu Kräften kommen werde und ob sich meine Libido verändert wird.

Leben nach Hodenkrebs: Zwischen Angst und Neuanfang

Der Begriff „Hodenentfernung“ klingt nach einem massiven Eingriff. Der „kleine Schnitt an der Leiste“, den du eben beschrieben hast, wirkt dagegen etwas weniger drastisch. Was genau wurde bei der Operation gemacht und wie sah der Heilungsprozess aus?

Bei der Operation wird ein Schnitt in der Leistengegend gemacht, über den dann von innen alles herausgeholt werden kann. Im Anschluss bleibt dort eine Wunde zurück. Das ist in der ersten Woche schon etwas unangenehm, weil man sie bei jedem Schritt spürt. Aber im Endeffekt ist es halb so schlimm. Ich hatte bloß das Pech, dass sich die Wunde bei mir entzündet hat, weshalb ich etwa einen Monat keinen Sport oder ähnliches machen durfte. Normalerweise ist es so, dass du in den ersten zwei bis drei Tagen möglichst viel rumliegst, weil Bewegungen einfach unangenehm sind. Aber du musst ja auch direkt zu Kontrollterminen und Autofahren war zum Beispiel überhaupt kein Problem.

Wie bist du im Anschluss an die Operation mit all dem umgegangen? Wir haben ja schon kurz darüber gesprochen, dass Hodenkrebs gerade unter jungen Männern ein Tabuthema ist, obwohl sie am häufigsten betroffen sind. War deine Erkrankung ein Thema im Freundeskreis?

Ich hatte von Anfang an einen sehr offenen Umgang damit. Noch am Tag der Diagnose habe ich mit meinen drei besten Kumpels telefoniert und ihnen alles erzählt. Ein paar Tage später habe ich es dann auch meiner damaligen Fußballmannschaft gesagt. Ich wollte einfach, dass alle Bescheid wissen und keine Gerüchte entstehen. Wäre ich nicht so offen damit umgegangen, hätte es manch einen vielleicht Überwindung gekostet, mich anzusprechen oder ich wäre komisch angeguckt worden. Das wollte ich vermeiden. Und dann habe ich eben recht schnell für mich entschieden, dass ich meine Geschichte publik machen möchte, um andere Männer dafür zu sensibilisieren, dass Hodenkrebs gerade bei Jüngeren keine Seltenheit ist und dass sie kleinste Veränderungen besser sofort abklären lassen. Denn in den meisten Fällen ist die Ursache ja tatsächlich harmlos. Inzwischen bekomme ich immer wieder Nachrichten von jungen Männern, die aufgrund meiner Videos zum Arzt gegangen sind und deren Auffälligkeiten sich als harmloser Knoten oder als Zyste herausgestellt haben. Dann ist die Erleichterung natürlich groß, aber ist immer besser, sowas abzuklären.

Entschuldige die direkte Frage, aber ich glaube, dass sich vor allem viele frisch Diagnostizierte fragen: Wie sieht das abgeheilte Resultat eigentlich aus?

Das Endergebnis war sogar mit das Erste, worüber ich aufgeklärt wurde. Wahrscheinlich, weil viele Männer denken: „Ach du Scheiße! Dann habe ich nur noch einen Hoden. Wie soll das denn aussehen?“ Aber das ist wirklich halb so wild, es gibt sogar die Möglichkeit, sich ein Implantat einsetzen zu lassen – dann ist von außen gar kein Unterschied erkennbar. Mir wurde gesagt, dass sich diese Kugeln wie echte Hoden anfühlen. Ich habe mich jedoch dagegen entschieden, weil ich dazu stehe, was mir passiert ist. Es ist ein Teil meiner Geschichte und ich finde es tatsächlich auch irgendwie interessant. Um ehrlich zu sein, dachte ich damals: „Links hing er sowieso immer ein bisschen tiefer, dann ist halt nur noch einer drin.“

Oh krass, so ein junger Profisportler kann Krebs bekommen? Ich dachte, Krebs kriegt man erst, wenn man älter ist.

Locker-Room-Talk über Hodenkrebs: Ein Tabuthema wird öffentlich

Kommen wir noch mal zurück zu deinem offenen Umgang und zu deiner Aufklärungsarbeit: Wie sah denn das Feedback seitens deiner Mannschaftskollegen und Freunde aus? Bist du auf taube Ohren gestoßen oder haben sie sich deine Ratschläge zu Herzen genommen?

Volle Kanne, also letzteres! Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich damals noch nicht auf Vorsorgeuntersuchungen hingewiesen, sondern nur darauf aufmerksam gemacht habe, dass es wichtig ist, sich regelmäßig abzutasten und Veränderungen ernst zu nehmen. Als zwei Jahre später dann zufällig ein Tumor in meinem anderen Hoden entdeckt wurde, hat sich mein Fokus dahingehend verschoben. Denn der zweite Tumor war im Hoden drin und von außen gar nicht zu ertasten. Das heißt, ohne diese Untersuchung, wäre ich wahrscheinlich noch sehr lange damit herumgelaufen und der Tumor hätte wachsen und streuen können. Da wusste ich: Alles klar, diese Vorsorgeuntersuchungen können Leben retten.

Ich habe gelesen, dass die besagte Routineuntersuchung im Rahmen eines Radiointerviews stattgefunden hat, in dem du eigentlich bloß Awareness schaffen wolltest. Heißt das, bei der zweiten Diagnose waren Reporter anwesend?

Zum Glück nicht. Ich hatte meinen Urologen vorher für diesen Radiobeitrag angefragt und der hatte auch richtig Bock darauf, weil er das Thema Hodenkrebs ebenfalls mehr publik machen wollte. Aber er meinte: „Klar, machen wir. Aber du warst jetzt schon drei Monate nicht mehr hier, komm doch vorher kurz für eine Blutabnahme rein, damit wir keine böse Überraschung erleben.“ Ich bin dann hin und habe mir Blut abnehmen lassen und am nächsten Tag rief er an und sagte, dass einer der Tumormarker wieder erhöht sei und ich vorsichtshalber für einen Ultraschall vorbeikommen solle. Das war im Oktober und bei der Untersuchung wurde ein winziger Punkt gefunden, von dem man anfangs noch gar nicht sagen konnte, worum es sich handelt. Wir mussten dann erst mal abwarten und im darauffolgenden Januar hatte der Punkt schließlich eine Größe erreicht, wo es Sinn machte, ihn herauszuholen, um zu schauen, was es ist. Das wurde dann gemacht und das Ergebnis war leider anders als erhofft: Es handelte sich wieder um einen Tumor. Ich hatte dann die Wahl, zwischen einer Strahlungstherapie und der Entfernung des zweiten Hoden. Das war natürlich eine ganz andere Nummer als beim ersten Mal, weil mir klar war, dass dann einfach gar kein Hoden mehr vorhanden sein wird. Da kamen ganz andere Fragen als beim ersten Mal auf: Was passiert mit mir, wenn alle Funktionen wegfallen, für die die Hoden zuständig sind? Zum Beispiel die Testosteron-Produktion, aber auch alle anderen Dinge, die da unten stattfinden. Natürlich habe ich mir Sorgen gemacht, denn alles, womit man mich beim ersten Mal beruhigt hatte, traf ohne den zweiten Hoden nicht mehr zu.

Du hast dich trotzdem auch für die Entfernung des zweiten Hodens entschieden. Warum?

Ich muss dazu sagen, dass bereits im Jahr zuvor bei einer normalen Untersuchung herausgekommen war, dass ich keine Spermien mehr produziert habe. Und deshalb war es zumindest diesbezüglich dann auch keine große Sache mehr, mich für die sichere Variante zu entscheiden. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte es ja auch noch die Möglichkeit gegeben, Spermien für eine spätere Familiengründung einzufrieren. Aber ich wäre sowieso nicht daran interessiert gewesen, weil es in meiner Familie mehrere Krebsfälle gibt und ich das nicht weitergeben möchte. Es gibt schließlich noch genug andere Möglichkeiten, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen.

Hodenkrebs bei jungen Männern: Sexualität und Hormone

Du hast mir im Vorgespräch gesagt, dass es heute keine Tabuthemen gibt. Deshalb würde ich nun gerne zum Thema Sexualität kommen, weil das betroffene junge Männer meist besonders beschäftigt. Wie lange hat es nach der Operation gedauert, bis du wieder Sex haben konntest? Gab es irgendwelche Beeinträchtigungen?

Wie gesagt, Schmerzen hatte ich ja eigentlich nur durch die Wunde. Und was soll ich sagen, meine Freundin und ich waren damals erst seit zwei Monaten zusammen, also genau in der Phase, in der man am liebsten nichts anderes machen würde. Deshalb haben wir mit dem Sex rückblickend eher zu früh als zu spät angefangen. Aber das war auch okay, wir mussten eben ein bisschen vorsichtiger sein. Zum Glück habe ich schnell gemerkt, dass ich beispielsweise mit dem ganzen Errektionsthema überhaupt kein Problem hatte. Das hat mich natürlich beruhigt. Klar, am Anfang kam es allein durch den dabei entstehenden Druck auf die Wunde zu leichten Schmerzen. Aber dann haben wir eben Pausen eingelegt und es langsam angehen lassen.

Welche Auswirkungen hatte die zweite Operation auf dein Sexleben? Ich bin im Rahmen der Interview-Vorbereitung immer wieder auf Beiträge von jungen Männern in Internet-Foren gestoßen, die sich fragen, ob es nach der Entfernung beider Hoden überhaupt noch möglich ist, zu ejakulieren.

Da gibt es tatsächlich überhaupt keine Unterschiede, weil das Ejakulat in der in der Prostata produziert wird – und in den Hoden lediglich die Spermien. Wusste ich vorher tatsächlich auch nicht. Von daher sind das wahrscheinlich sehr typische Gedanken, die einem anfangs durch den Kopf gehen. Bei mir funktioniert zum Glück alles ganz normal.

Was jedoch zu 90 Prozent in den Hoden produziert wird, ist das männliche Geschlechtshormon Testosteron, das nicht nur wichtig für die Sexualfunktionen ist, sondern auch für Knochen, Muskeln und den Stoffwechsel. Wie wird dieser Mangel ausgeglichen?

Das ist echt interessant. Nach der Entfernung des ersten Hodens lief alles wunderbar weiter, weil der verbleibende alles ausgeglichen hat. Ich war fit, hatte Kraft ohne Ende und konnte meine sportlichen Leistungen sogar steigern. Als dann die Entfernung des zweiten Hodens anstand, gab es zwei Möglichkeiten. Entweder lasse ich mir das Testosteron in regelmäßigen Abständen spritzen oder ich trage jeden Tag ein testosteronhaltiges Gel auf meine Haut auf. Da es bei den Spritzen häufig zu großen Hormonschwankungen und damit verbundenen Nebenwirkungen kommt, habe ich mich für das Gel entschieden, das geringer dosiert ist und jeden Tag auf die Arme aufgetragen wird. Das funktioniert wunderbar, ich habe auch wieder mit Krafttraining angefangen und fühle mich fitter denn je. Ich muss lediglich alle drei Monate zu einer Untersuchung, um den Hormonspiegel checken zu lassen.

Wenn du nun zurückblickst: Inwiefern hat sich dein Leben durch deine Krebserkrankung verändert?

Ehrlich gesagt, eher im positiven Sinne. Es bedeutet mir viel, über das Thema zu sprechen und für etwas mehr Aufklärung zu sorgen. Außerdem macht es mir Spaß, den Leuten zu zeigen, dass man an solchen Schicksalsschlägen nicht verzweifeln muss, sondern sie auch ins Positive umkehren kann. Und auch beruflich hat meine Geschichte einen Einfluss darauf, wie ich als Fitness-Coach wahrgenommen werde. Wenn die Leute auf mein Profil gehen, sehen sie ja direkt, was los ist und darauf habe ich bisher nur positive Rückmeldungen bekommen. Viele sehen in mir ein Vorbild. Klar, die Erkrankung selbst ist natürlich nicht schön gewesen, vor allem auf die Operationen hätte ich gut verzichten können. Und auch jetzt ist das Thema nicht durch, weil ich zu regelmäßigen Kontrolluntersuchungen gehen muss. Aber ich habe für mich beschlossen, aus dieser Zeit nur Positives für mein weiteres Leben mitzunehmen.

Gibt es etwas, was du unseren Leser*innen abschließend mit auf den Weg geben möchtest?

Denen, die selbst betroffen sind, wünsche ich einfach viel Kraft. Denn jeder Krankheitsverlauf ist anders und nicht alle haben so viel Glück wie ich. Aber denen, die noch gesund sind, möchte ich gerne sagen: Auch wenn ihr erst zwischen 18 und 40 seid – geht zur Vorsorge und lasst regelmäßig abchecken, ob alles gut ist! Und sollten doch mal Schmerzen oder Veränderungen auftreten, habt keine Scheu, zum Urologen zu gehen. Macht einen Termin und lasst die Ursachen für eure Beschwerden abklären. Im besten Fall ist es nichts Schlimmes und ihr könnt beruhigt sein. Und sollte sich doch ein Tumor hinter den Symptomen verbergen, könnt ihr immerhin rechtzeitig handeln.

Hodenkrebs-Vorsorge: Das sollten junge Männer wissen

Wer sollte zur Vorsorge?

  • Besonders Männer zwischen 18 und 40 Jahren
  • Regelmäßige Kontrollen beim Urologen empfohlen
  • Bei familiärer Vorbelastung: erhöhte Aufmerksamkeit


So funktioniert die Selbstuntersuchung:

  • Idealerweise einmal im Monat
  • Nach warmem Duschen/Baden
  • Jeden Hoden einzeln abtasten
  • Auf Verhärtungen und Größenveränderungen achten


Direkt zum Arzt bei:

  • Tastbaren Veränderungen
  • Schweregefühl im Hodensack
  • Ziehenden Schmerzen im Unterleib

Ein Besuch beim Urologen kann Leben retten – je früher, desto besser die Heilungschancen.

HODENKREBS-Glossar

Wichtige Begriffe erklärt

Buchstabe A

A wie Abtasten

Die regelmäßige Selbstuntersuchung ist der wichtigste Schritt zur Früherkennung von Hodenkrebs. Dabei sollte jeder Hoden einzeln und sorgfältig zwischen Daumen und Zeigefinger abgetastet werden. Am besten führt man die Untersuchung nach einem warmen Bad oder einer Dusche durch, wenn die Haut des Hodensacks entspannt ist. Auf Verhärtungen, Schwellungen oder andere Veränderungen sollte besonders geachtet werden. Viele junge Männer scheuen sich vor dieser Routineuntersuchung, doch sie kann buchstäblich Leben retten. Die monatliche Selbstuntersuchung sollte ab dem 18. Lebensjahr zur Gewohnheit werden.

Buchstabe B

B wie Biopsie

Eine Biopsie, also die Entnahme einer Gewebeprobe, wird bei Hodenkrebs normalerweise nicht durchgeführt. Das liegt daran, dass eine Biopsie das Risiko erhöhen kann, dass Krebszellen sich ausbreiten. Stattdessen wird die Diagnose meist anhand von Ultraschalluntersuchungen und Bluttests auf Tumormarker gestellt. Erst nach der operativen Entfernung des betroffenen Hodens wird das Gewebe im Labor genau untersucht, um die Art des Tumors zu bestimmen. So kann die Behandlung optimal geplant werden.

Buchstabe C

C wie Chemotherapie

Die Chemotherapie ist eine wichtige Behandlungsoption bei Hodenkrebs, besonders wenn der Tumor fortgeschritten ist oder sich bereits ausgebreitet hat. Dabei werden Medikamente eingesetzt, die gezielt Krebszellen im Körper zerstören. Hodenkrebs spricht in der Regel sehr gut auf die Chemotherapie an, was die Heilungschancen deutlich verbessert. Die Behandlung erfolgt meist nach der Operation und dauert mehrere Wochen. Nebenwirkungen wie Haarausfall oder Übelkeit sind möglich, lassen sich aber oft gut kontrollieren.

Buchstabe D

D wie Diagnostik

Zur Diagnostik von Hodenkrebs gehören die körperliche Untersuchung, der Ultraschall des Hodens und Bluttests auf Tumormarker wie AFP, HCG und LDH. Diese Marker geben Hinweise auf die Art und Ausbreitung des Tumors. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie CT oder MRT eingesetzt werden, um Metastasen auszuschließen. Eine präzise Diagnostik ist entscheidend, um die richtige Therapie zu planen und die Prognose zu verbessern.

Buchstabe E

E wie Entstehung

Hodenkrebs entsteht meist aus entarteten Keimzellen im Hoden, die normalerweise für die Spermienbildung zuständig sind. Diese sogenannten Keimzelltumoren machen den Großteil der Hodenkrebserkrankungen aus. Die Entstehung kann durch genetische Faktoren und Risikofaktoren wie Hodenhochstand begünstigt werden. Oft wächst der Tumor lange unbemerkt, bevor Symptome auftreten.

Buchstabe F

F wie Fruchtbarkeit

Hodenkrebs und seine Behandlung können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, vor allem wenn beide Hoden betroffen sind oder eine Chemotherapie notwendig wird. Viele Kliniken bieten vor Beginn der Therapie die Möglichkeit, Samen einzufrieren und so die Zeugungsfähigkeit zu erhalten. Nach erfolgreicher Behandlung bleibt die Fruchtbarkeit bei den meisten Männern erhalten, dennoch sollte das Thema frühzeitig besprochen werden.

Buchstabe G

G wie Germinaltumoren

Germinaltumoren, auch Keimzelltumoren genannt, sind die häufigste Form von Hodenkrebs. Sie werden in Seminome und Nicht-Seminome unterteilt. Seminome wachsen meist langsamer und sprechen gut auf Strahlen- und Chemotherapie an. Nicht-Seminome sind oft aggressiver und bestehen aus verschiedenen Gewebetypen wie Dottersacktumor oder embryonalem Karzinom. Die Unterscheidung ist wichtig für die Therapie.

Buchstabe H

H wie Hodenhochstand

Ein Hodenhochstand, bei dem der Hoden nicht rechtzeitig in den Hodensack abgestiegen ist, gilt als wichtiger Risikofaktor für Hodenkrebs. Männer mit dieser Vorgeschichte sollten besonders aufmerksam sein und regelmäßig ihre Hoden selbst untersuchen. Auch eine operative Korrektur im Kindesalter kann das Risiko zwar senken, aber nicht vollständig ausschließen.

Buchstabe I

I wie Intraepitheliale Neoplasie (TIN)

Die testikuläre intraepitheliale Neoplasie (TIN) ist eine Vorstufe von Hodenkrebs. Dabei handelt es sich um entartete Zellen im Hoden, die sich noch nicht zu einem Tumor entwickelt haben. TIN ist meist symptomlos und wird oft zufällig bei Untersuchungen entdeckt. Wird sie erkannt, kann frühzeitig behandelt werden, um die Entwicklung eines bösartigen Tumors zu verhindern.

Buchstabe J

J wie Junge Männer

Hodenkrebs tritt vor allem bei jungen Männern zwischen 20 und 45 Jahren auf und ist in dieser Altersgruppe die häufigste Krebsart. Das Bewusstsein für diese Erkrankung sollte deshalb besonders in dieser Lebensphase hoch sein. Regelmäßige Selbstuntersuchungen und schnelle Arztbesuche bei Veränderungen sind wichtig, um die Krankheit früh zu erkennen.

Buchstabe K

K wie Krebsarten

Hodenkrebs ist eine bösartige Erkrankung, die hauptsächlich aus Keimzelltumoren besteht. Die wichtigsten Krebsarten sind Seminome und Nicht-Seminome, die sich in Wachstum und Behandlung unterscheiden. Es gibt auch seltenere Formen, doch die meisten Hodentumoren lassen sich gut behandeln, wenn sie früh erkannt werden.

Buchstabe L

L wie Lymphknoten

Bei fortgeschrittenem Hodenkrebs können sich Krebszellen in die Lymphknoten ausbreiten, besonders in die Lymphknoten im Bauchraum. In solchen Fällen kann eine Entfernung der betroffenen Lymphknoten oder eine zusätzliche Chemotherapie notwendig sein. Die Kontrolle der Lymphknoten ist daher ein wichtiger Teil der Nachsorge.

Buchstabe M

M wie Metastasen

Metastasen sind Absiedlungen von Krebszellen außerhalb des Hodens, zum Beispiel in der Lunge oder Leber. Sie entstehen, wenn sich Krebszellen über Blut- oder Lymphbahnen ausbreiten. Die Behandlung von Metastasen erfordert meist eine Kombination aus Operation, Chemotherapie und manchmal Bestrahlung. Früh erkannt sind Metastasen bei Hodenkrebs oft gut behandelbar.

Buchstabe N

N wie Nicht-Seminom

Nicht-Seminome sind eine Gruppe von Keimzelltumoren, die meist aggressiver wachsen als Seminome. Sie bestehen aus verschiedenen Gewebetypen wie Dottersacktumor, Chorionkarzinom oder embryonalem Karzinom. Nicht-Seminome treten häufig bei jüngeren Männern auf und erfordern oft eine intensivere Therapie mit Chemotherapie.

Buchstabe O

O wie Operation

Die operative Entfernung des betroffenen Hodens (Orchiektomie) ist die erste und wichtigste Behandlung bei Hodenkrebs. Der Hoden wird über einen Schnitt in der Leiste entfernt, um eine Ausbreitung des Tumors zu verhindern. Nach der Operation folgt eine genaue Untersuchung des Gewebes, um die weitere Therapie festzulegen.

Buchstabe P

P wie Prognose

Die Prognose bei Hodenkrebs ist sehr gut, vor allem wenn die Krankheit früh erkannt wird. Dank moderner Therapien liegt die Heilungsrate bei über 90 Prozent. Selbst bei fortgeschrittenen Stadien sind die Chancen auf eine vollständige Heilung hoch. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind wichtig, um Rückfälle früh zu erkennen.

Buchstabe Q

Q wie Qualität des Lebens

Nach der Behandlung von Hodenkrebs können viele Männer ein normales Leben führen. Die Lebensqualität ist meist gut, auch wenn Nebenwirkungen der Therapie auftreten können. Psychologische Unterstützung und offene Gespräche helfen, Ängste zu bewältigen. Die Erhaltung der Fruchtbarkeit und Sexualfunktion ist ein wichtiges Thema in der Nachsorge.

Buchstabe R

R wie Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren für Hodenkrebs zählen Hodenhochstand, familiäre Vorbelastung, genetische Veränderungen und frühere Hodenerkrankungen. Auch Umweltfaktoren werden diskutiert, sind aber weniger klar belegt. Ein bewusster Umgang mit diesen Risikofaktoren und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen können helfen, Hodenkrebs früh zu erkennen.

Buchstabe S

S wie Seminome

Seminome sind die häufigste Form von Keimzelltumoren im Hoden. Sie wachsen meist langsam und sprechen sehr gut auf Strahlen- und Chemotherapie an. Seminome treten häufig bei Männern um die 40 Jahre auf und haben eine sehr gute Prognose. Die Behandlung ist oft weniger aggressiv als bei Nicht-Seminomen.

Buchstabe T

T wie Tumormarker

Tumormarker sind spezielle Eiweiße im Blut, die bei Hodenkrebs erhöht sein können. Die wichtigsten Marker sind AFP, HCG und LDH. Sie helfen bei der Diagnose, der Planung der Therapie und der Überwachung des Krankheitsverlaufs. Ein Anstieg der Marker kann auf ein Tumorwachstum oder einen Rückfall hinweisen.

Buchstabe U

U wie Ultraschall

Der Ultraschall ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose von Hodenkrebs. Er zeigt Veränderungen im Hodengewebe und hilft, zwischen gutartigen und bösartigen Veränderungen zu unterscheiden. Die Untersuchung ist schmerzfrei, schnell und ohne Strahlenbelastung durchführbar.

Buchstabe V

V wie Vorsorge

Vorsorge bedeutet bei Hodenkrebs vor allem die regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden und die Wahrnehmung von Kontrolluntersuchungen beim Arzt. Besonders Männer mit Risikofaktoren sollten aufmerksam sein. Früherkennung ist entscheidend, denn je früher Hodenkrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Buchstabe W

W wie Weiterbildung

Für Ärzte und medizinisches Personal ist die ständige Weiterbildung zu Hodenkrebs wichtig, um aktuelle Diagnostik- und Therapieverfahren zu kennen. Spezialisierte Zentren bieten umfassende Betreuung und sorgen dafür, dass Patienten bestmöglich behandelt werden.

Buchstabe X

X wie X-chromosomal

Genetische Faktoren spielen bei Hodenkrebs eine Rolle, wobei auch Veränderungen auf dem X-Chromosom diskutiert werden. Diese Erkenntnisse helfen, das Risiko besser einzuschätzen und neue Therapien zu entwickeln. Die Forschung zu genetischen Ursachen ist noch im Gange.

Buchstabe Y

Y wie Young Adults

Hodenkrebs betrifft vor allem junge Erwachsene, die sogenannten Young Adults, meist zwischen 20 und 45 Jahren. Diese Altersgruppe sollte besonders auf Symptome achten und regelmäßige Selbstuntersuchungen durchführen. Früherkennung ist hier besonders wichtig, da Hodenkrebs in diesem Lebensabschnitt am häufigsten auftritt.

Buchstabe Z

Z wie Zysten

Zysten im Hoden sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die meist gutartig sind und keine Krebsgefahr darstellen. Dennoch sollten Veränderungen im Hodensack immer ärztlich abgeklärt werden, um Hodenkrebs sicher auszuschließen. Eine Ultraschalluntersuchung kann helfen, Zysten von Tumoren zu unterscheiden.

Hilfreiche Anlaufstellen für Hodenkrebs-Betroffene

Du bist zwischen 18 und 40 Jahre alt?
Dann lass dich regelmäßig untersuchen. Hodenkrebs ist heilbar – wenn er früh erkannt wird. Unter den folgenden Links findest du weitere Informationen, Anlaufstellen und professionelle Unterstützung.

Deutsche Krebsgesellschaft: Hodenkrebs
hier erfährst du mehr.

Hodenkrebs-Früherkennung
hier erfährst du mehr.

Krebsinformationsdienst: Hodenkrebs
hier erfährst du mehr.

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