Der schlimmste Moment war, als meine beste Freundin die Verhütung absetzte und direkt schwanger wurde.
Jedes zehnte Paar in Deutschland ist von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Für die meisten geht die ausbleibende Schwangerschaft mit einer großen emotionalen Belastung einher. Mit jedem weiteren negativen Schwangerschaftstest steigen Schuldgefühle, Trauer und Scham darüber, dass es nicht klappt. Auch Mira und ihr Partner haben einen sehr langen und steinigen Weg hinter sich, was die Familiengründung betrifft. Doch so viel können wir spoilern: Bei den beiden hat es am Ende geklappt.
Interview: Diana Ringelsiep
Kinderwunsch und Familienplanung: „Mit Anfang 20 wurde das Gefühl konkreter
Hallo Mira! Wir wollen ja heute über das Thema Familiengründung sprechen, beziehungsweise über den Fall, wenn es nicht klappt. Aber die gute Nachricht vorab: Du bist schwanger!
Ja, ich habe jemanden mitgebracht.


Herzlichen Glückwunsch! Aber fangen wir von vorne an. Wann ist der Wunsch Mutter zu werden, zum ersten Mal bei dir aufgeploppt?
Das weiß ich noch ganz genau, da war ich zehn Jahre alt. Damals ist meine Cousine zur Welt gekommen und ich wusste von da an, dass ich auf jeden Fall auch mal Mama werden möchte. Mit Anfang 20 wurde dieses Gefühl dann langsam konkreter, auch wenn meine Lebensumstände damals noch gar nicht dazu passten – das war eher ein körperliches Gefühl.
Oft befassen wir uns mit möglichen Komplikationen ja erst, wenn sie in unser Leben treten. Hast du je über die Option nachgedacht, nicht schwanger werden zu können?
Nein, ich habe nie in Erwägung gezogen, dass es nicht funktionieren könnte. Im Gegenteil, wie viele andere junge Frauen, habe ich damals eher mal ein Schwangerschaftstest gemacht, um die Gewissheit zu haben, nicht versehentlich schwanger geworden zu sein. Aber ja, dann kam alles ganz anders.
Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt: Sechs Jahre warten
Wie sah eure Beziehung aus, als ihr beschlossen habt, ein Kind zu bekommen? Habt ihr alles auf euch zukommen lassen oder direkt entsprechende Vorbereitungen getroffen?
Ich hatte eigentlich schon immer Plan A, B und C für mein Leben in der Tasche. Aber irgendwann musste ich feststellen, dass nicht immer alles planbar ist. Mit meinem Mann bin ich 2015 zusammengekommen, als ich studiert habe. Wir haben uns dann erst mal kennengelernt und sind schließlich auch zusammengezogen. Nach zwei Jahren sind wir dann in eine größere Wohnung umgezogen. Zu diesem Zeitpunkt war ich 31 und kurz darauf haben wir geheiratet. Damals hatte ich auch noch einen festen Job, also haben wir gedacht: Ja, gut, dann lassen wir jetzt mal die Verhütung weg und schauen, was passiert.
Natürliche Unterstützung bei Kinderwunsch
- Folsäure-Supplementierung (wichtig vor und während der Schwangerschaft)
- Mönchspfeffer zur hormonellen Unterstützung
- Frauenmanteltee zur Zyklusregulierung
- Letrozol (nur nach ärztlicher Verschreibung)
- Ausgewogene Ernährung
- Stressreduktion
- Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
Wichtig: Sprich vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Eine gute Vorbereitung – sowohl körperlich als auch mental – kann die Erfolgschancen einer Schwangerschaft erhöhen.
Also ganz entspannt.
Auf jeden Fall. Mein Mann hat damals sogar noch vorgeschlagen, erst mal einen Halbmarathon zusammen zu laufen. Wir waren Anfang 30 und hatten das Gefühl, noch viel Zeit zu haben. Vor allem, sind um uns herum ja auch viele scheinbar problemlos schwanger geworden. Dementsprechend waren wir dahingehend sehr unbefangen.
Wann ist euch diese Leichtigkeit abhandengekommen?
An meiner Arbeit wurde es irgendwann zunehmend unentspannter, sodass ich beschlossen habe, mich selbstständig zu machen. Tja, und dann kam Corona. Für mich war dadurch klar, dass das Timing für ein Kind gerade nicht ideal ist. Aber plötzlich wurde mein Mann nervös. Wir verhüteten ja bereits seit zwei Jahren nicht mehr und da ich aufgrund der Pandemie sowieso nicht arbeiten konnte, fand er die Idee eines Corona-Babys ganz schön. Damit hatte er natürlich einen Punkt. Also habe ich aufgehört, Alkohol zu trinken und angefangen, mich vegan und zuckerfrei zu ernähren. Ich habe sogar meine komplette Kosmetik umgestellt, um meinen Körper rundum zu entgiften und beste Voraussetzungen für eine Schwangerschaft zu schaffen. Als dann immer noch nichts passiert ist, sind wir erstmals mal zum Arzt gegangen. Mein Frauenarzt hat mich dann durchgecheckt, doch es schien alles in Ordnung zu sein. Auch mein Mann hat sich damals untersuchen lassen, aber auch das war unauffällig.
Gab es rückblickend einen konkreten Moment, in dem euch die Gelassenheit endgültig verlassen hat?
Ja, aber das war erst dieses Jahr. Tatsächlich war es eher mein Mann, der unfassbar gelitten hat – wahrscheinlich, weil ich durch meinen Beruf und die Kinderkurse, die ich gebe, konstant ein bisschen Baby-Mojo abbekommen habe. Ich hatte immer das Vertrauen, dass irgendwann ein Kind kommen wird. Zwar wusste ich nicht, wie, wann und wo, aber dass es passieren wird, stand für mich außer Frage. Bei meinem Mann war das anders und das wurde schließlich zu einem großen Problem in unserer Beziehung.
Wir kamen an einen Punkt, an dem mein Partner glaubte, dass ich unseren Kinderwunsch nicht ernst genug nahm.
Von der Hoffnung zur Kinderwunschklinik: „Wir mussten etwas unternehmen“
Mit welchen Erwartungen seid ihr schließlich in eine Kinderwunschklinik gegangen und was wurde dort unternommen?
Ich hatte da ehrlich gesagt gar keinen Bock drauf. Denn wir waren bereits 2021 das erste Mal in einer Kinderwunschklinik, um die üblichen Tests durchzuführen. Das heißt, man hatte mein Blutbild, die Gebärmutter und den Schleimaufbau bereits kontrolliert und mein Mann hatte in diesem Zuge auch ein Spermiogramm machen lassen – also eine Samenanalyse. Jedenfalls war damals alles in Ordnung, weshalb ich auch nicht verstanden habe, warum wir intervenieren sollten.
Aber du hast dich ja noch aus einem anderen Grund gegen eine Hormonbehandlung entschieden. Welcher war das?
Meine Oma hat beide Brüste ab, da sie mehrmals Brustkrebs hatte und meiner Mutter wurde die Gebärmutter entfernt. Deshalb habe ich mich schon früh damit befasst, woher Krebs eigentlich kommt und mich infolgedessen auch immer sehr gesund ernährt. Außerdem habe ich darauf geachtet, was alles mit Hormonen in Kontakt kommt – welche Kosmetik zum Beispiel. Deshalb habe ich auch bereits bei dem ersten Besuch in der Kinderwunschklinik erwähnt, dass es meine größte Sorge ist, mit Hormonen behandelt zu werden und dann zwar ein Kind zu bekommen, aber vielleicht zehn Jahre später an Brustkrebs zu sterben.
Inwiefern hat es sich auf eure Beziehung ausgewirkt, dass du nicht bereit warst, diesen Schritt zu gehen?
Für meinen Partner war das nicht leicht, weil wir irgendwann an einem Punkt waren, an dem er glaubte, dass ich es nicht ernst genug nehme – schließlich hatten wir doch geheiratet, um ein gemeinsames Kind zu bekommen. Da hat sich in der Beziehung irgendwann etwas verschoben. Wir wollten zwar beide Kinder, aber der Weg dorthin war nicht mehr derselbe und das war eine große Belastung. Zu dem Zeitpunkt stand auch mehrmals im Raum, getrennte Wege zu gehen, weil ich gesagt habe: »Wenn ich jetzt nicht schwanger werde von dir, denn das ist ja das erwünschte Ergebnis, dann musst du dir eine andere Frau suchen.« Ich habe es einfach nicht eingesehen, mich mit Hormonen vollpumpen zu lassen, zumal ja laut der Untersuchungen alles in Ordnung war. Die Spermien waren in Ordnung, bei mir war alles in Ordnung, der Hormonstatus war in Ordnung – warum also eingreifen? Hätte man mir gesagt, es gäbe ein hormonelles Ungleichgewicht, wäre das natürlich was anderes gewesen.
Das klingt nach einem enormen Druck. Wie hat sich das auf deine mentale Gesundheit ausgewirkt?
Ich muss sagen, da ich mich schon seit Jahren bei verschiedenen Coachings regelmäßig auf die Couch lege, bin ich die ganze Zeit über bei mir gewesen. Ich habe immer fest daran geglaubt, Mutter zu werden. Das stand für mich außer Frage, weil ich dahingehend einfach ein Gottvertrauen hatte. Gelitten habe ich in erster Linie, weil es mich so traurig gemacht hat, dass es meinem Mann irgendwann nur noch um diesen Kinderwunsch ging. Ich habe ihn damals auch immer wieder gefragt: »Warum willst du überhaupt Vater werden? Was steckt denn dahinter?« Und dann sagte er: »Wir haben kein Haus und das einzige, was ich bisher als Mann zustande gebracht habe, war es zu heiraten – deshalb will ich jetzt gerne Papa werden.« Aber das hat mir als Begründung nicht gereicht, um noch mal in die Kinderwunschklinik zu gehen. Ich fand es unfair, einem Kind die Verantwortung zu übergeben, dem eigenen Leben einen Sinn zu verleihen.
In dem Alter werden ja meist auch viele Freundinnen, Bekannte oder sogar Geschwister schwanger. Hat das den Druck erhöht?
Ja, das war definitiv etwas, woran ich zu knabbern hatte. Die schlimmste Situation für mich war tatsächlich, als letztes Jahr meine beste Freundin noch mal schwanger geworden ist. Sie hat die Verhütung abgesetzt und es hat sofort geklappt. Da war bei mir ein Punkt erreicht, an dem ich sehr emotional wurde. Man kommt einfach irgendwann in Gefilde, wo das alles nicht mehr cool ist. Ich habe mich in der ganzen Zeit – von fast sechs Jahren – immer für andere mitgefreut. Aber das war das erste Mal, dass ich das nicht mehr konnte. Das war ein Alarmsignal für mich. Von da an war klar, dass wir etwas unternehmen müssen.
Wie offen seid ihr bis dahin mit eurem unerfüllten Kinderwunsch umgegangen?
Das haben alle gewusst, weshalb das in unserem Freundeskreis auch für viele eine schwierige Situation gewesen ist. Die meisten wussten ja, dass wir es schon die ganze Zeit versuchen und dass das ein Riesentrouble bei uns ist. Gleichzeitig befanden sich viele von ihnen selbst an einem wichtigen Umbruch in ihrem Leben. Ich habe dann jedenfalls fast zwei Wochen nicht mit meiner besten Freundin gesprochen, was sehr untypisch für mich war. Und dann habe ich sie angerufen und gesagt, dass wir reden müssen. In diesem Gespräch haben wir beide erstmals offen über unsere Gefühle gesprochen und danach war dann auch wieder alles wieder gut zwischen uns.
Manche Freunde trauten sich nicht, uns von ihrer Schwangerschaft zu erzählen, weil sie uns nicht verletzen wollten.
Oftmals entstehen in solchen Phasen ja auch Berührungsängste. Hast du vielleicht einen Tipp, wie sich damit umgehen lässt?
Naja, einfach miteinander reden. Es war oft so, dass die Leute dastanden und sagten: »Wir trauen uns gar nicht, euch das mitzuteilen, aber wir bekommen ein Kind.« Dabei habe ich mich, wie gesagt, bis zu diesem einen Moment nach sechs Jahren immer für alle anderen mitgefreut. Unsere Freunde konnten ja nichts dafür, dass es bei uns bis dahin noch nicht geklappt hatte. Bei meinem Mann sah das allerdings anders aus, der wollte zuletzt gar nicht mehr rausgehen. Er wollte sich auch nicht mehr mit Freunden treffen, die Kinder haben. Das war heftig.
Das wollte ich gerade fragen: Inwiefern hat sich der unerfüllte Kinderwunsch sonst noch auf euren Alltag ausgewirkt?
Zu meinem Job gehört es, mit Kindern zu arbeiten. Ich habe jeden Tag Babys auf dem Arm. Für mich hat das keinen Unterschied gemacht, weil ich mich davon auf emotionaler Ebene gut distanzieren konnte. Aber mein Mann traf an der Arbeit ständig auf Väter, die sich übers Wochenende mit ihren drei Kindern auskotzten – und nicht mal merkten, wie schlimm das für ihn war. Wenn diese Kollegen erzählten, wie anstrengend es ist, mit der Familie in einem Freizeitpark abzuhängen, saß er nur da und wünschte, er könnte dasselbe erleben.
Es ist ja so, dass die Fruchtbarkeit der Frau ab dem dreißigsten Lebensjahr sinkt. Dabei wird aber häufig vernachlässigt, dass auch die Zeugungsfähigkeit des Mannes nicht bis ins hohe Alter auf demselben Level bleibt. Vielleicht kannst du noch mal auf das Spermiogramm eingehen, denn dahingehend existieren ja auch viele Berührungsängste.
Das erste Spermiogramm meines Mannes wurde bei einem Urologen gemacht. Da wurde bloß geschaut, ob die Menge der Spermien ausreichend ist und ob sie beweglich genug sind. Diese Beweglichkeit wird später auch noch in verschiedene Kategorien eingeteilt. Da gibt es dann die Spermien, die geradeaus schwimmen, die Spermien, die im Kreis schwimmen und diejenigen, die den Käfer machen und gar nichts tun. Bei meinem Mann war das beim ersten Mal noch alles in Ordnung. Die Ärzte haben sogar gesagt: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben mehr Spermien als üblich! Da hat er sich natürlich gefreut.
Klingt, als wäre es bei diesen guten Nachrichten nicht geblieben…
Genau, es gab dann noch ein zweites Spermiogramm in der ersten Kinderwunschklinik, das dann schon nicht mehr so gut ausfiel. Das heißt, die Spermienqualität hatte bereits abgenommen, doch damals wurden wir nicht richtig aufgeklärt. Erst als wir dieses Jahr noch mal eine andere Kinderwunschklinik aufgesucht haben, teilte uns die Ärztin mit, dass es zwei Faktoren gebe, die nicht mehr im Normenbereich seien. Dazu muss man sagen, dass zwischen den beiden Untersuchungen ein Abstand von drei Jahren lag, in denen mein Mann viel auf dem Fahrrad saß – das hat er daraufhin natürlich reduziert. Und auch seine Zöliakie, eine immunologische Erkrankung des Darms, kann einen Einfluss auf seine Spermienqualität und die Fruchtbarkeit gehabt haben. Das fällt bei allen Männern sehr unterschiedlich aus.
Der Weg zur ICSI-Behandlung: „Vorbereitung ist alles“
Was war der ausschlaggebende Punkt, dass ihr es doch noch mal in einer Kinderwunschklinik probiert habt?
Vorweg muss ich sage, dass wir uns viel Hilfe geholt haben. Alleine hätten wir das nicht geschafft. Es gab immer wieder jemanden, der zwischen uns saß und uns geholfen hat, zu verstehen, wie der andere sich gerade fühlt. Das hat uns natürlich auch immer wieder an unsere Grenzen gebracht. Anfang des Jahres war es noch mal ganz schlimm, da habe ich kurz gedacht, ich trenne mich jetzt einfach und dann kann er sich eine andere Frau suchen, die von ihm schwanger wird. Aber als wir das überwunden hatten, sind wir in einen richtig geilen Urlaub geflogen. Wir hatten die schönste Suite überhaupt. Wir konnten von unserem Schlafzimmer und der Badewanne aus das Meer sehen. Es gab jeden Tag High-End-Essen, wir hatten das geilste Wetter – und wir konnten nichts davon genießen. Wir waren wandern und haben überall nur Kinder gesehen. Sowas war uns noch nie passiert.
Welche Konsequenz habt ihr aus diesem Urlaub gezogen?
Wir haben im Endeffekt gemeinsam entschieden, noch einmal in die Kinderwunschklinik zu gehen. Der Leidensdruck war plötzlich sehr groß, auch mir ging es mental nicht mehr gut.
Daher haben wir uns noch mal ausführlich beraten lassen und die Ärztin sagte: »Sie sind bald 38 Jahre alt und haben noch zwei Jahre, in denen die Krankenkasse die Kinderwunschbehandlung übernimmt. Wir werden diesen Weg gemeinsam mit ihnen gehen, egal, für welche Behandlungen Sie sich entscheiden.« Das war für mich der ausschlaggebende Punkt, dort zu bleiben, weil es sich gut und richtig anfühlte, weiterhin selbst entscheiden zu können. Wir haben uns dann für die ICSI-Methode entschieden. Das heißt, mir wurden Eizellen entnommen, in die man dann mit einer sehr feinen Nadel Samenzellen injiziert mir diese wieder eingesetzt hat.
Kinderwunschbehandlung in der Klinik: Wichtige Fakten
- ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion)
- Künstliche Befruchtung (IVF)
- Hormonbehandlung
- Psychologische Betreuung
- Beratung zu Alternativen
Wichtig: Eine gute Vorbereitung – sowohl körperlich als auch mental – kann die Erfolgschancen einer Kinderwunschbehandlung erhöhen. Lass dich von deiner Ärztin oder deinem Arzt umfassend beraten.
Glaubst du, dass man euch ein Stück des Leidensweges hätte ersparen können, wenn ihr euch direkt in der ersten Klinik wohlgefühlt hättet?
Ich glaube, ich musste mit meinem Mann diesen Weg gehen und diesen Schmerz erfahren. Aber das ist nur meine Sicht der Dinge. Durch diesen Prozess haben wir jetzt sehr viele Tools für schwierige Zeiten an der Hand. Außerdem blicken wir auf wertvolle Erfahrungen zurück, die ich nicht missen möchte. Selbst, wenn ich könnte: Ich will die Zeit nicht zurückdrehen und früher schwanger werden. Auf keinen Fall.
Nun bist du schwanger und dein Gefühl, irgendwann Mutter zu werden, hat Recht behalten. Aber angenommen, es hätte nicht geklappt, wäre Adoption auch eine Option für euch gewesen?
Wir haben darüber nachgedacht und waren letztes Jahr auch bei einer Pflegestelle und haben einen Workshop mitgemacht. Aber es wäre nicht dasselbe gewesen, weil ich als Frau auch nicht auf die körperliche Erfahrung verzichten wollte. Ich wollte schon immer wissen, wie es sich anfühlt, schwanger zu sein, eine Geburt zu erleben oder das Wochenbett. Dieser Prozess wäre mir bei einem Pflegekind abhandengekommen.
Kommen wir noch mal zurück zur ICSI-Behandlung, wie ist der Eingriff verlaufen? Hat es auf Anhieb geklappt oder gab es Komplikationen?
Nein, es gab keine Komplikationen. Aber dazu muss ich sagen, und das ist wirklich ein Appell, den ich gerne loswerden möchte: Vorbereitung ist alles. Wie gesagt, ich habe mich vorher entgiftet und ich war auch bei einer TCM-Medizinerin (Anm. der Redaktion: TCM = Traditionell Chinesische Medizin). Da wurden unter anderem Blutwerte bestimmt, die selbst in der Kinderwunschklinik nicht kontrolliert wurden – und da war einiges im Argen bei mir. Es gab zum Beispiel drei Gendefekte, die immer an der Grenze kratzten bei meinem Mann und mir. Bevor die Kinderwunschbehandlung losging, habe ich dann auch eine Darmsanierung gemacht und wir haben all meine Speicher aufgefüllt. Mein Eisenwert war anfangs beispielsweise nicht gut und später hatte ich Superwerte. Das hat mir ein besseres Gefühl gegeben, schließlich kann auch eine Kinderwunschklinik nur mit dem vorhandenen Material arbeiten. Wir fühlten uns gut vorbereitet, auch mental. Außerdem spielte es eine große Rolle, dass ich mich in der Klinik gut aufgehoben fühlte. Als der Tag gekommen war, wurde immer wieder nachgefragt, ob es mir auch wirklich gutgehe oder ob ich noch etwas brauche. Das ist nicht in jeder Kinderwunschklinik so, ich glaube daher, das war einer der Gründe, warum ich mich entspannen konnte.
Schließlich wurden dir die befruchteten Eizellen wieder eingesetzt. Wie ging es dann weiter?
Ich hatte tatsächlich viel Schmerzen bei dem Eingriff, was aber nicht die Regel ist. Danach sind wir in Urlaub gefahren. Das wird grundsätzlich empfohlen, damit man nicht den ganzen Tag dasitzt und nur an den nächsten Schwangerschaftstest denkt. Man denkt natürlich auch im Urlaub immer wieder daran, aber der Fokus ist nicht so riesig wie er zuhause wäre. Ich glaube, das hat dazu beigetragen, dass es bei uns sofort beim ersten Mal geklappt hat.
Wie habt ihr denn dann von der Schwangerschaft erfahren?
Es ist ja so, dass man in dieser Anfangszeit selbst gar keinen Schwangerschaftstest machen sollte. Der Hormonspiegel ist durch die Behandlung oft noch so hoch, dass der Test einem Orakel gleicht. Aber ich muss sagen, dass ich bereits gespürt habe, dass es geklappt hat. Trotzdem, wenn du sechs Jahre wartest, bist du eher verhalten. Als wir dann aus dem Urlaub kamen, war ich schon fast in der neunten Woche. Das heißt, bei der nächsten Untersuchung war dann schon ein Herzschlag zu hören. Das war für mich der Tag, an dem ich mich offiziell schwanger gefühlt habe. Das war sehr ergreifend.
Wenn du nun zurückschaust, welche Spuren hat der jahrelange Prozess in eurer Beziehung hinterlassen und was möchtest du anderen Paaren mit auf den Weg geben?
Schöne Spuren, würde ich sagen. All das hat uns stark zusammengeschweißt und ich glaube, für uns war es der richtige Weg. Was ich anderen gerne mit auf den Weg geben möchte, ist Eigenverantwortung. Es bringt nichts, die ganze Verantwortung an eine Kinderwunschklinik abzugeben, wenn man sich nicht ausreichend vorbereitet – sowohl körperlich als auch mental. Schaut euch das Umfeld an, in dem ihr euch bewegt, hört in euch hinein, warum ihr wirklich Eltern werden wollt und legt euch auch einen Plan B und C zurecht. Und das Wichtigste: Pflegt eure Partnerschaft, denn es ist nichts dabei gewonnen, wenn ihr irgendwann Eltern werdet und diesen Weg auf euch genommen habt, aber gar keine Familie mehr sein könnt, weil ihr euch so weit voneinander entfernt habt.
Mira, herzlichen Dank, dass du so transparent über deine Geschichte gesprochen hast. Ich wünsche dir alles Gute für dich und deine Familie.